Was ist einfache Sprache
und an wen richtet sie sich?

Einfache Sprache ist eine Form der Standardsprache. Im Gegensatz zur Leichten Sprache sind Texte in Einfacher Sprache kein Zusatzangebot, sondern können für sich alleine stehen. Einfache Sprache richtet sich potentiell an alle. Die Texte werden akzeptiert und gelten nicht als stigmatisierend.
Einfache Sprache ist geregelt durch die internationale Norm DIN ISO 24495-1, Juni 2023. Im März 2024 wurde die DIN ins Deutsche übersetzt. Seit April 2024 gibt es konkretisierte Richtlinien für den deutschen Raum. Diese sind festgehalten in der DIN 8581-1.
Einfache Sprache arbeitet nach vier Grundsätzen (DIN 2024:11):
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Die Leser*innen erhalten, was sie brauchen (relevant).
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Die Leser*innen können leicht finden, was sie brauchen (auffindbar).
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Die Leser*innen können leicht verstehen, was sie finden (verständlich).
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Die Leser*innen können die Informationen leicht verwenden (hilfreich).
Das Ziel von Einfacher Sprache ist, komplexe Inhalte für ein breites Publikum verständlich zu machen. Verständlichere Texte braucht es in den unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel
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in der Behördenkommunikation
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im Gesundheitsbereich
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im Nachrichtensektor
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oder in allen Bereichen, die nicht das eigene Fachgebiet sind.
Jede Person ist in manchen Gebieten Lai*in und keine Expert*in. Einfache Sprache hilft, auch als Lai*in zu verstehen, um was es geht.
Einfache Sprache ist je nach Situation und Zielgruppe flexibel ausgerichtet und sprachlich mit mehr oder weniger komplexen Merkmalen angereichert. Sie ist verständlichkeitsoptimiert, strebt jedoch nicht die maximale Verständlichkeit an wie die Leichte Sprache. Einfache Sprache macht den Inhalt für die Nutzer*innen leichter zugänglich. Dafür nutzt sie zum Beispiel kürzere Sätze und bekannte Wörter. Sie braucht kein spezielles Layout, auch wenn bei Aufzählungen gerne Listenformate genutzt werden.
Sprache bewegt sich in einem Kontinuum an Komplexität. Dies verdeutlicht die folgende Abbildung: Je weiter rechts auf dem Strang die Sprachvarietät steht, desto komplexer ist die Sprache:

Einfache Sprache ist für uns alle im Alltag oft wichtig. Sie hilft zum Beispiel, wenn wir unsere Steuererklärung ausfüllen müssen oder einen Bericht von Ärzt*innen erhalten. Gerade in solchen Expert*innen-Lai*innen-Situationen kommt es oft zu Kommunikationsproblemen. Einfache Sprache hilft, dass die Kund*innen, Klient*innen oder Patient*innen besser verstehen, was von Ihnen erwartet wird. Es gibt weniger Missverständnisse und dadurch weniger Rückfragen. Dies führt auf Seiten der Behörde zur Arbeitserleichterung und Zeitersparnis und auf Seiten der Kund*innen zu mehr Zufriedenheit und weniger Frustration.
Literatur: DIN Deutsches Institut für Normung e. V. (2024): Normen-Handbuch Einfache Sprache. 2024 DIN Media GmbH, Berlin.
